Elias: „Gänsehaut vom Anfang bis zum Ende“

Elias: „Gänsehaut vom Anfang bis zum Ende“

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Der letzte Ton ist verklungen – und es passiert erst einmal nichts. Es ist einfach nur still. Erst allmählich brandet Applaus auf, wird immer stärker, bis er in fast stürmischen Ovationen endet.
Über zwei Stunden lang hatten die rund 600 Besucher dem Elias-Oratorium von Felix Mendelssohn Bartholdy in der Gethsemanekirche gelauscht und waren offenbar erstmal sprachlos. Kein Wunder, bei so einem monumentalen Werk mit „recht dicken, starken, vollen Chören“, wie Mendelssohn einst selber schrieb. Einige Zuhörer berichteten später, sie hätten beim ersten Einsatz der über 150 Sängerinnen und Sänger mit ihrem „Hilf Herr“ eine Gänsehaut bekommen, die sie das ganze Konzert über nicht mehr losgelassen hätte.

Seit Jahresbeginn hatte sich der Chor der Pankower Friedenskirche intensiv mit dem Elias beschäftigt. Jeden Montag in der Probe und zusätzlich an drei Chor-Wochenenden. Da wurde dann noch mal in Acht-Stunden-Schichten an Details des Werks gefeilt. Am 26. September dann der Höhepunkt: Das Konzert in der Gethsemanekirche. Als Novum gab es eine Kooperation mit den Young Voices, dem Chor des Max Delbrück Gymnasiums Pankow. Die Schüler hatten ebenfalls am Elias gearbeitet und sangen nun bei der Aufführung mit.

Besonders beeindruckend waren die vier Solisten Bianca Reim (Sopran), Almut Pessara (Alt), Hardy Brachmann (Tenor) und Wolfram Teßmer (Bass). Sie probten trotz engem Zeitplan engagiert mit und ließen sich offenbar von der Begeisterung der Laien anstecken. Auch das Orchester hatte sich mit großer Spielfreude und Können dem Projekt verschrieben. Schließlich hat Chorleiterin und Dirigentin Cornelia Ewald mit ihrem musikalischen Gespür und ihrer Leidenschaft ein außergewöhnliches musikalisches Ereignis geschaffen.

„Beeindruckend“, „ein Erlebnis“, „ergreifend!“ lauteten denn auch die Reaktionen der Zuhörer. Der Chor hatte aber auch alles gegeben: Mal in der Rolle des Volkes Israel, dann als Baalspriesterschaft, als Engelschor und wieder ein anderes Mal als „Überbringer“ allgemein religiösen Inhalts. Da war sein ganzes sängerisches und musikalisches Können gefragt.  Vom Publikum besonders gelobt wurde auch die Verständlichkeit der gesungenen Texte, die an einigen Stellen ganz schön martialisch klingen: Ob es darum geht, dass Gott die vom Glauben Abgefallenen verfolgen und töten wird oder die Baalspriester zum Mord am Propheten Elias aufrufen: Die Geschichte ist stellenweise nichts für schwache Nerven. Aber genau das hatte Mendelssohn an der alttestamentarischen Geschichte vom Propheten Elias fasziniert: die leidenschaftliche und streitbare Figur. Sie gab ihm viele Möglichkeiten zur musikalischen Gestaltung: Seien es Zwiesprachen zwischen „Volk“ und Prophet, wunderschöne Arien oder herrliche Passagen für das Orchester. Auch die Stationen des biblischen Geschehens wie Dürre, Regen, Feuer oder die Erscheinung Gottes hat Mendelssohn in packende musikalische Bilder umgesetzt. Und so ist es vielleicht gar nicht so erstaunlich, dass eine Konzertbesucherin hinterher schrieb: „Wir sind begeistert, wollen mehr…“

Britta Sembach / Fotos: Peter Müller

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